Mein schönstes Backes-Erlebnis? Mein Jott, da gibt´s so viele. Ich kann ja mal eins rauspicken.

 „Dä Franz“ und ich haben noch was zu besprechen, frag´ mich keiner, was denn. Er hat alle anderen Gäste rauskomplimentiert - oder rausgeekelt, kommt ja immer drauf an. Die ewige Musik schweigt. Unsere Besprechung ähnelt langsam eher der Begegnung zweier alter Zen-Meister. Vielleicht gelegentlich ein würdevolles Kopfnicken des einen, wenn der andere fragend ein leeres Glas hebt. Es geht auf fünf zu. In the wee-wee hours, singt Ray Charles in meinem Kopf.

„Dä Franz“ hört was ganz anderes.
„Häste dat jehüürt?“ zischt er plötzlich.
„Wat?“
„Do es einer!“ Jetzt hör´ ich´s auch. Jemand macht sich an der Küchentür zu schaffen, der zum Hausflur. Zwischen uns und der Küche ist noch eine Tür. Geschlossen, aber nicht abgeschlossen.

Für irgendeine Arschgeige ist der Backes schon seit Jahren eine beliebte Einnahmequelle - ein Flipper, ein Geldspielautomat, ein Sparkästchen, ein Zigarettenautomat; die eine oder andere Flasche Schnaps, eine Handvoll Wechselgeld, irgendwelche Jacken, die hängen geblieben sind. Schon während meiner ersten Urlaubsvertretung gab es einen Einbruch, für mich damals besonders ärgerlich. Andererseits auch wieder nicht - das war der einzige, der je aufgeklärt wurde, denn dieser Fachmann hatte auf dem aufgebrochenen Zigarettenautomaten die halbgerauchte, auf seine typische seltsame Art aufgerissene Gauloises-Packung liegen lassen, die er drei Stunden vorher bei mir gekauft hatte.

Trotzdem mussten seitdem mindestens einmal im Jahr gelangweilte Bullen und misstrauische Versicherungsheinis angerufen, Schlösser ausgewechselt, Bruchspuren repariert werden. Ätzend.
Und jetzt das. Gekratze, Geknirsche und Gerappel an der Küchentür. Die Chance, eine - wenn nicht die - Arschgeige in flagranti erwischen. Ray Charles meldet sich ab. Auftritt Charles Bronson.

„Wat solle m´r maache, Rich?“
„Wie wär´s mit zwei Bier?“ Wir kriegen einen kichernden Lachanfall. Die Geräusche verstummen. Prustend ermahnen wir uns gegenseitig zur Ruhe, die Hände vorm Mund wie Schulkinder.
„Solle m´r uns dä schnappe?“
„Klar.“
„Ävver wie?“
„Reinkommen lassen, in die Zange nehmen, zur Not eins auf die Mütze hauen?“ Franz schleicht hinter die Theke und findet zufällig einen halben Billardknüppel - hat wohl jemand mal hier vergessen. Ich zapfe noch zwei Bier und schnappe mir einen Barhocker. Wir postieren uns - janz höösch - links und rechts von der Küchentür. So ein hölzerner Barhocker ist schwer - er scheint meinen Gleichgewichtssinn im Stehen ganz schön zu stören; ich schnappe mir einen zweiten und setze mich lieber in meinen Hinterhalt. Die Geräusche werden zielstrebiger.
„Rich?“
„Ja?“
„Un´ wenn dä bewaffnet es?“
„Dann nehmen wir ihm die ab.“ „Dä Franz“ beguckt mich skeptisch, wie ich da auf meinem Hocker hänge, nach dreiundzwanzig Bier und ein paar Zwischenbeschleunigern. Ich habe schon Mühe, den Schlaghocker überhaupt hoch zu halten. Na ja - war schließlich auch ein langer Abend. Aber mein Lieblingswirt macht sich Sorgen um mich und meine Gesundheit. Der Gute.Er robbt wieder hinter die Theke. Ich freue mich schon, dass er uns noch ein Bier holt, aber nix da - er greift zum Telefon. Wählt 110. Hockt sich hinter den Tresen und deckt mit einer Hand Hörer und Mund ab.