„NOTRUFZENTRALE“, quäkt der Hörer.
„Pscht!“ macht „dä Franz“. „He es dat Fränzje.“
„WER IST DA BITTE?“
„Dat Fränzje! Dä Franz!“, flüstert er.
„WIE BITTE? NENNEN SIE BITTE LAUT UND DEUTLICH NAMEN UND ANSCHRIFT!“
„Dat jeiht nit - he weed enjebroche!“
„WO SIND SIE, BITTE?“
„Ja, he, en minger Kneip´!“ Von draußen ertönt ein lautes Knacken - unser Freund ist in der Küche angekommen. Ich schaffe es, meinen Hocker wieder drei Zentimeter anzuheben. Muss ziemlich bedrohlich aussehen. „Dä! Hann Se jehüürt? Die kummen he erenn!“ Allerdings muss ich ziemlich dringend pinkeln.
„HALLO?! NENNEN SIE BITTE IHRE ADRESSE! WER SIND SIE?“ quäkt unser Freund und Helfer.
„Isch ben dä Weet - et Fränzje... Also - eh - Kirchen. Backes. Darmstädter Strooß.“
„UND WORUM GEHT ES, HERR KÖLSCHE?“ Mein Arm schläft ein.
„He weed enjebroche! Ein Ein-bre-cher!“
„SIND SIE IN IHREM LOKAL, HERR -“ „Et Fränzje“ hat die Schnauze voll.
„Ja, leckensamarsch! Kütt jetz einer ode´ nit?“
„WIR SCHICKEN EINEN WA-“ Franz legt fluchend auf. In der Küche klirrt etwas. Dann knallt die Küchentür zum Flur, drei Sekunden später hören wir die Haustür klappern.
„Ich glaub´, der is´ weg.“
„Isch jlöuv och.“ Ich kann endlich den Hocker abstellen.
„Jetzt wissen wir immer noch nicht, wer hier dauernd einbricht.“
„Jajo. Ävver stell dir vüür, he wör einer met ener Plemm erenjekumme...“ Und pinkeln gehen. Dann zapfen wir uns noch ein Frisches. Rauchen endlich mal wieder eine. Trinken noch eins.

Oder zwei.
Sie brauchen von der Elsaßstraße bis zum Backes - dreihundert Meter Luftlinie - vierzig Minuten. Was andererseits flott ist - wenn man ihnen eine Schlägerei meldet, sind sie auch schon mal anderthalb Stunden unterwegs. Ein pickeliger knapp Zwanzigjähriger hält uns für betrunken und das Ganze für einen arg blöden Scherz, und wir haben schon all unsere Personalien, Lebensläufe und eine Schilderung der letzten fünf Stunden in doppelter Ausfertigung zu Protokoll gegeben, bis sie sich herablassen, auch mal einen Blick auf die Küchentür zu werfen. Das Schloss ist fachmännisch ausgehebelt. Woraufhin wir ihnen das alles noch mal erzählen dürfen. Und gelobt werden, dass wir sofort Meldung gemacht haben.
Als wir wieder alleine sind, geht´s auf sieben Uhr zu. Gute Zeit - da hat die Kneipe in der Markthalle schon auf. Wo wir dann bei einem Strammen Max und ein paar Bierchen hocken und uns ausmalen, was alles hätte passieren können, wenn...

p.s.: Und dass ich bis hierher nur von Franz erzähle und Babsy noch nicht mal erwähnt habe, liegt übrigens bloß daran, dass ich an dieser Stelle schon meine vorgegebene Zahl an Zeichen weit überschritten habe. Trinken wir also auf Band Zwei. Ich wüsst´ auch schon, wo.

(Rich Schwab in „Kölner Kneipenbuch“, 2007)

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